Historie

Die Altstadt und seine Geschichte

Tag des offen Denkmals 2012

Film von der Führung durch das Haus

Sendebeitrag von „wismar tv„, @ mediamare GmbH, Wismar

Das Haus Am Markt 8

Hegede, Salzfässchen und Am Markt 8

Ein Versuch, Namen und Herkunft zu klären

Der Wismarer Marktplatz mit seiner Größe von 10.000 m2 gehört mit zu den größten in Norddeutschland und hat diese Größe im Wesentlichen schon zur Stadtgründung gehabt. Lediglich an der Nordseite und Westseite gab es Erweiterungen bis zum Rathausbau im 13. Jahrhundert und den Bau von Marktbuden im Bereich der Hegede. Die Hegede taucht als Straßenbezeichnung erstmals 1325 auf. Der Rat ließ für den Marktbetrieb an der westlichen Marktseite Buden mit Scharren, das waren die Verkaufsstände, an der westlichen Seite errichten und „hegten“ so den Markt gegenüber der Straße ab. Daraus entstand der Straßenname „Hegede“.

Die westliche Marktbebauung gehört zweifelsfrei zu den historisch interessantesten in der profanen Baugeschichte Wismars. Unter den Mietern der Buden fand man „Garbräter, Bartscherer, Wandschneider, Träger, Bäcker, Schneider, Riemer, Drechsler, Höker, Salzhändler, Grapengießer, Kupferschiede, Gürtler und Filzmacher“. Ganz speziell wurde eine „Solbude“ genannt und man fand beim Abriss und Neubau des Hauses Markt 9 noch Reste dieser Salzbude, und da dies Haus nach Ansicht der Wismarer ehemals die Ähnlichkeit mit einem mittelalterlichen Salzfass hatte, bürgerte sich der Name „Salzfässchen“ für den schmalen Durchgang von der Hegede bis zum Markt ein. Es gibt auch noch eine Aufzeichnung aus dem Jahre 1594, wonach die Kohlenmesser im „soltfatken“ getrunken haben.

Die Umgestaltung der Marktbuden erfolgte über mehrere Jahrhunderte und begann schon im 17. Jahrhundert und die letzten verschwanden im 19. Jahrhundert. Sicher spielte hier die wirtschaftliche Zäsur durch den Dreißigjährigen Krieg eine entscheidende Rolle. Der Rat verkaufte nach und nach seine Buden und die Bürger errichteten Häuser. Als Bude bezeichnete man im Mittelalter alle ebenerdigen Häuser. Als Haus wurde in der Regel ein mehrstöckiges Haus bezeichnet.

Das Wismarer Stadthaus an der westlichen Marktseite ist 1858 auf dem Grund ehemaliger Buden errichtet. Hier hatten die Kohlenmesser ihre Aufgaben zu verrichten. Sie waren im Mittelalter Träger für Holzkohlen und übernahmen nach und nach städtische Aufgaben, zuletzt waren sie  die Wismarer Stadtpolizei und Vollstreckungsbeamten. Im Stadthaus, der alten Stadtwache, und auch im Vorgängerbau befand sich der Kaak, das städtische Gefängnis und der Pranger.

Heute wird vermutet, dass besonders in den Häusern Am Markt 3 – 8 sich im Innern noch Reste der ehemaligen Handwerker- und Händlerbuden aus dem frühen 14. Jahrhundert befinden. Nicht von ungefähr zählen sie deshalb zu den wertvollsten, wenn auch unscheinbarsten, Baudenkmalen der Stadt Wismar. 

Das Haus Am Markt 8 (Grundbuchnummer 94 im Alten Stadtbuch 1680 – 1838) befindet sich am Durchgang „Salzfässchen“ und ist aus einer ehemaligen typischen Marktbude enstanden. Das Haus ist heute wie nahezu alle Häuser der westlichen Marktseite, von der Hegede und vom Markt heraus begehbar.

Laut Altem Stadtbuch (1680 – 1838) gibt es folgende Eigentümer:

  • bis 1669 gehört es der Stadt Wismar und als Eigentümer wird die Stadt Cämmerey genannt.
    Diese hat die Bude verkauft und deren Käufer haben dann das heutige Haus um- und neu gebaut.
  • September 1669 Lucretia Schlaffs
  • 24. Juni 1679 Johan Dietrich von der Fehr und als Mitgift bekommt es
  • 17. Januar 1705 Christian Schwartz
  • Weitere Besitzer
  • Jacob von der Fehr
  • Johan Jürgen Velthusen
  • Martin Schütt
  • Eleonora Rademannen
  • 15. Juni 1744 Johan Hinrich Latendorff
  • danach auf dessen Witwe, geb. Nibbe und deren Erben bis 1822
  • 1822 gab es eine Zusammenlegung der Grundstücke 94 und 93
  • 8. September 1823, Christian David Rönnfeldt
  • 8. September 1829, Johan Ernst Engell
  • 15. Februar 1841, Sophie Carolina Plate,
  • danach Übertrag in das neue Stadtbuch, Grundbuch 92
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